Kultur in Südtirol - Veranstaltungskalender

 

Affective Effects Ausstellungen

Die Ausstellung präsentiert die Werke von 4 Künstlern, die sich in spannender Weise mit der Idee von Materialität, Körperlichkeit und Oberfläche in der Malerei auseinandersetzen.
Künstler: Dejan Dukic, Julia Frank, Philipp Messner, Martina Steckholzer
Kurator: Sabine Gamper
Pigmenttinte, Aerosole, Laaser Marmor
Pigmenttinte, Aerosole, Laaser Marmor

AFFEKTIVE EFFEKTE

Künstlerinnen:

Dejan Dukic, Julia Frank, Philipp Messner, Martina Steckholzer

Kuratiert von: Sabine Gamper

Eröffnung: Dienstag, 09.10.2018 um 19 Uhr

10.10.2017 – 30.11.2018

Diese Ausstellung präsentiert die Werke von 4 Künstler/innen, die sich in spannender Weise mit der Idee von Materialität, Körperlichkeit und Oberfläche in der Malerei auseinandersetzen. Die Besonderheit dieser 4 Positionen besteht in ihrer Beschäftigung mit physikalischen Vorgängen der Malerei, in der prozesshaften Arbeit an der Bild- oder Objektoberfläche, im symbolischen oder ikonischen Umgang mit dem „Bild als Körper“. Dabei legen sie ihren Fokus auf Farbe und Pigment als stofflichem und materiellem Element, welches die Bildoberfläche ergänzt, sie teilweise in die dreidimensionale Ebene erweitert, in den Bildträger eindringt oder sich von diesem emanzipiert und ein Eigenleben beansprucht. Farbe und Bildträger kommunizieren in Schichtungen, vereinigen sich zu einem einzigen Farbobjekt, thematisieren ihre Eigenständigkeit. Die Materialität Farbe kann mal mehr oder mal weniger greifbar werden, aber in einigen der präsentierten Werke werden Bildträger und Farbmaterialität zu regelrechten haptischen Ereignissen.

Diese neue Beschäftigung mit Medialität und Körperlichkeit in der Malerei ist parallel und in Reaktion auf die große Flüchtigkeit von digitalen Bildern in unserer postmedialen Zeit zu verstehen, und als ein verstärktes Augenmerk auf die Bedeutung der Körperlichkeit des Bildträgers und seiner Oberfläche zu lesen. Interessant dabei ist zu beobachten, dass sich die Praxis aller vier Künstler/innen durch eine breitere Auseinandersetzung auch mit anderen Medien auszeichnet, indem sie die Grenzen der Malerei hin zur Bildhauerei, zur Performance, dem Video oder anderen Kunstgattungen überschreiten.

Dejan Dukic (*1974 in Wien) untersucht in seiner künstlerischen Praxis die Bedeutung des Tafelbildes, indem er das Material Farbe und seine haptische Präsenz zum Hauptakteur seiner Arbeiten macht. Dabei manieriert er die in der Malereigeschichte verwendeten Möglichkeiten der Farbmaterialität, wie z.B. das Verwenden von Tropfspuren, den pastösen Auftrag von Farbe oder die dick und glänzend aufgetragene Ölfarbe, welche das haptische Begehren in der Malerei auf die Spitze treiben. Dejan Dukic arbeitet genau an diesem Punkt weiter, indem er die Farbe auf der Oberfläche der Leinwand zu eigenständigen kleinen skulpturalen Objekten werden lässt. Dies erreicht er, indem er Ölfarben in vielen Schichten von hinten in die Leinwand so einmassiert, dass die Farbe durch das Leinwandnetz nach vorne dringt und auf der Bildvorderfläche zu langen Farbfäden und Farbschleifen gerinnt, welche zu zarten skulpturalen Fortsätzen aushärten. Dabei verwendet der Künstler kräftige, poppige Farbkombinationen, die den Arbeiten zusätzlich eine ausgeprägte Affektwirkung verleihen, und mit welchen er beim Betrachter eine intensive ästhetische Erfahrung evoziert. Die besondere haptische Qualität dieser Werke erhebt das Thema der Materialität und Körperlichkeit von Farbe zum Hauptthema der Malerei, und thematisiert gleichzeitig ihren Manierismus.

Julia Frank (*1988, Glurns, Italien) beschäftigt sich in ihrem künstlerischen Werk mit verschiedenen physikalischen Eigenschaften von Materialien und Bildoberflächen, und ihre Rückwirkungen mit und auf den menschlichen Körper. Gezeigt werden Werke aus zwei verschiedenen Serien, „Untitled 88“ aus der Serie „Maps“ (2017), ein großformatiges Banner aus multiplen Übereinander-Lagerungen von Kunststofffolien und verschiedene Farbschichten, wobei die Künstlerin durch Einwirken mit Gas und ihrem eigenen Körpergewicht die Modellierbarkeit von Materie untersucht, und neue Möglichkeiten der Bildproduktion experimentiert. Die Objekthaftigkeit, die Materialität und der performative Akt des menschlichen Körpers bei der Entstehung dieser Arbeit ermöglichen es der Künstlerin, die Malerei als erweitertes Medium zu experimentieren, indem Fragestellungen wie Bewegung, Veränderbarkeit und Perzeption untersucht werden, und die Malerei mit anderen in der zeitgenössischen Kunst verwendeten Techniken verknüpft wird. Eine zweite Werkserie mit dem Titel „Waiting for the...“ (2018) besteht aus weißen und grauen Betonplatten, welche an ihren Oberflächen konzentrisch aufgesprühte Farbkreise aufweisen. Als performative Objekte sind sie nicht nur Material- bzw. Klangkörper, sondern zelebrieren gleichzeitig auch die Bildoberfläche.

In seinen neuesten Arbeiten trägt Philipp Messner (*1975 in Bozen) Pigment-Tinten basierend auf dem Farbenspektrum CMYK auf unregelmäßig gebrochene Marmorplatten auf, sodass die Farbe – anders als normalerweise in der Malerei -  nicht an der Oberfläche bleibt, sondern Schicht für Schicht in das poröse Gestein einsickert. Der Vorgang entspricht einem gleichermaßen malerischen wie auch bildhauerischen Akt, indem der Künstler Farbe und Marmor als Arbeitsmaterialien verwendet, welche sich in ihren unterschiedlichen Eigenschaften zu einem neuen Bildergebnis vereinen. Dabei arbeitet Philipp Messner mit starken historischen Bezügen, welche er gleichzeitig in Frage stellt: Er verwendet Marmor als eines der zentralen Materialien der klassischen Bildhauerei in seiner rohen Form, und lässt an dessen Bildoberfläche bunte psychedelische Farbkompositionen entstehen, welche an Aquarelle oder Seidenmalereien erinnern. Philipp Messners Farbobjekte lassen die Grenzen zwischen Objekt und Bild, Skulptur und Malerei, Körperlichkeit und Oberfläche im Spannungsfeld zwischen analogen und digitalen Bildtraditionen verschwimmen.  

Martina Steckholzer (*1974, Sterzing, Italien) arbeitet in ihren neuesten Werken mit der Technik des Aquarells. In diesen „Black Watercolours“ zelebriert sie einerseits die Flüchtigkeit des malerischen Aktes, und andererseits die reine Körperlichkeit des verwendeten Materials. Es handelt sich bei dieser Malerei um eine konzentrierte, direkte, haptische Berührung von Russpigment, Wasser, Pinsel und Papier. Wie in ihren früheren Werkserien, sind es auch hier konkrete, zumeist unerwarteten Begegnung der Künstlerin mit Momenten und Räumen der zeitgenössischen Kunst, des Tanzes oder des Theaters, real erlebte Momente um Körper, Bewegungen, Menschen und Objekte im Raum, welche Martina Steckholzer zu ihren Werken inspirieren. Diese gerinnen am Bild zu malerischen Zeichen, welche als Spuren einer vitalen Präsenz und Beseeltheit auf die von der Künstlerin erlebten Ereignisse verweisen. Erstmals realisiert Martina Steckholzer zu ihren Malereien zusätzlich noch kurze Texte, in welchen sie die emotionalen und inhaltlichen Schichten dieser Erinnerungen aufgreift und verdichtet. In dieser doppelten Schichtung erinnern uns Martina Steckholzers Arbeiten daran, dass Malerei und Poesie sehr viel miteinander zu tun haben, aber auch daran, dass die affektive Wirkmacht der Malerei mit der besonderen Materialität ihrer Zeichen zu tun hat.

 
 

Info

Gallerie Doris Ghetta
Tel. +39 393 9323927
 
Ticket
Freier Eintritt
 
 
 

Wegbeschreibung

Galleria Doris Ghetta
St. Ulrich, Pontives Süd 8
 
 
 

erstellt von

Pontives, 8
39046 St. Ulrich
 
Tel. +39 393 9323927
 
 
 
Werbung auf kultur.bz.it
Werbung auf kultur.bz.it
Werbung auf kultur.bz.it